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Jede Menge Andeutungen

Im Film kommen einige interessante Namensgebungen etc. vor, die für die Aussage des Films von Bedeutung sein könnten.

Das Orakel erzielt den geschichtsreligiösen Bezug zu griechischer Mythologie, denn es trägt wie das Orakel von Delphi grüne und orangefarbene Kleidung, auch die Küche ist in diesen Farben gehalten. Das deutlichste Zeichen für eine Parallele liefert die Holztafel an der Küchenwand. Auf ihr ist die Delphi'sche Inschrift zu lesen: Erkenne dich selbst.

Die Figur des Neo vereint verschiedene Bezüge. Einerseits verweisen seine Stellung („der Auserwählte”) und sein Name „Neo” (der Neue; aber auch ein Anagramm von „One”, der Eine) auf seinen exponierten Status. Andererseits kann Neos vorheriger Name „Thomas Anderson” als „Menschensohn” (ανδρος = griech. Mann, Mensch, Bezeichnung Jesu) übersetzt werden. Eine weitere Deutung bezieht sich auf die Natürliche Wirtschaftsordnung, deren englische Übersetzung "Natural Economic Order" sich als NEO abkürzen lässt. Außerdem ist NEO ein Kürzel für "Near Earth Object" (Begriff in der Raumfahrt), und tatsächlich ist Thomas Anderson in seiner Identität als NEO deutlich näher der realen Welt, als in seinem scheinbaren Arbeitsleben.

Der Apostel Thomas in der Bibel wird als Zweifler beschrieben (Thomas der Ungläubige). Während Neo anfangs noch tagsüber seinen bürgerlichen Namen verwendet, nennt er sich später, als er an sich und die Matrix glaubt, nur noch Neo (vgl. U-Bahn-Szene "Mein Name ist Neo!")

Trinity steht für die Dreifaltigkeit (Trinität) - christlicher Theologie zufolge ist Gott dreifaltig, offenbart sich als Gott, a) der Schöpfer, und b) ihm wesensgleich Jesus Christus und c) beiden wesensgleich Heiliger Geist. Dies könnte auch ein Hinweis auf die heidnische Dreifache Göttin sein: Jungfrau, Mutter und Alte Weise. Zudem ist „Trinity” der Name eines amerikanischen Atombombentests.

Nebukadnezar ist der Name zweier babylonischer Regenten und bedeutet so einen Bezug zu Babylon und seiner Rolle in biblischen Mythologien. Nebukadnezar bedeutet übersetzt "Gott Nabû, schütze meinen ältesten Sohn", was auch einen Bezug zum Schutz von Neo darstellen könnte.

Zion, geschichtlich-religiöser Bezug, ist die letzte Stadt, in der noch Menschen leben: Zionismus & Zion.

Die Gestalt des Morpheus: Name eines griechischen Gottes, von dem sich auch Morphium ableitet. Zu bemerken ist, dass Morpheus, der Gott des Traumes, Neo aus seinem ewig währenden „Traum” reißt und ihm die wahre Welt zeigt.

Morpheus könnte auch Johannes den Täufer verkörpern. Morpheus begleitet Neo und „tauft“ ihn sozusagen. Außerdem könnte er als Gott oder Vater gelten, da er die Crew aufzieht.

Das Verhältnis Morpheus–Neo zeigt, dass selbst derjenige der zum Retter der Menschheit bestimmt ist wie Neo, seiner Bestimmung nicht vollkommen autonom folgen kann. Er benötigt stets jemanden der ihn zuerst mit dieser überhaupt konfrontiert und ihm dann den Weg weist.

Auch die Figur des Merowingers hat historischen Ursprung: Die Merowinger sind das Geschlecht der ältesten fränkischen Könige. Nicht von ungefähr spricht der Merowinger im Film auch mit französischem Akzent.

Der Film zeigt wohl nicht ganz unbeabsichtigt einige Analogien zur Geschichte des Lebens Jesu Christi auf. So ist er auch hier der erwartete Messias, der die Menschheit rettet. Er braucht einen Mann, der ihn das erkennen lässt (Johannes der Täufer / Morpheus). Er wird verraten (Judas / Cypher, evtl. auch eine Kurzform des Namens „Luzifer“) und stirbt (am Kreuz / durch den Agenten Smith). Er wird auferweckt (am dritten Tag / durch die Liebe und den Kuss von Trinity = Trinität) und erreicht eine neue Stufe der Existenz, in der er sich für die Menschheit einsetzen will. Er benötigt den Tod, da er nur durch ihn endgültig von seinem (alten) Leben lassen kann, um endgültig zu begreifen, dass er mächtiger ist, als er es selbst glauben will und kann. In der Schlussszene fährt er letztendlich in den Himmel auf.

Weiterhin gibt es auch Parallelen zum Alten Testament, so erinnert die Erzählung von Agent Smith von der ursprünglichen Matrix, die als perfekte Welt konzipiert war, jedoch von den Menschen nicht angenommen wurde, stark an die Schilderung des Paradieses, dessen Adam und Eva durch eigenes Verschulden verwiesen werden.

Vereinzelt wird dem Welt- und Christusbild des Filmes Gnostizismus oder christlicher Fundamentalismus amerikanischer Prägung vorgeworfen.

Ein anderer Interpretationsansatz ist der erkenntnistheoretische, der enge Parallelen zu u. a. Platons Höhlengleichnis sieht: Die vermeintliche Wirklichkeit, wie sie uns im Alltag begegnet, könnte nur ein Traum sein, der hier von Maschinen simuliert wird. In Wahrheit ist jeder einzelne für sich nichts anderes als „eine Batterie für die herrschende Maschinenmacht” (vergleiche auch Solipsismus).

In einer Szene des Films nimmt Neo ein Buch aus einem Regal und schlägt es sichtbar bei einem Kapitel On Nihilism auf. Bei diesem Buch, das tatsächlich existiert, handelt es sich um Simulacra and Simulation (The Body, in Theory) des französischen Philosophen der Postmoderne Jean Baudrillard (siehe auch Simulakrum). Eine radikale Deutungstheorie spricht von einer Analogie auf die moderne Medienwelt. Der heutige Zuschauer lebt in einer künstlichen Welt, geschaffen durch die Unterhaltungsindustrie, speziell Hollywood, die ihm ein besseres, schöneres Leben, als sein eigenes vorgaukelt. Der Zuschauer verkommt zur körperlichen Untätigkeit, während er mehr und mehr glaubt, bei dem, was er auf seinen Monitoren sehe, handele es sich um sein eigenes Leben. Er diene nur noch dazu, den Moloch der Unterhaltungsindustrie zu „ernähren“.

Diese Andeutungen sind in den beiden Nachfolgern Matrix Reloaded sowie Matrix Revolutions noch wesentlich deutlicher.

Eine Neuausgabe (2004) von Matrix, Matrix Reloaded und Matrix Revolutions enthält Kommentare der Wissenschaftler Ken Wilber und Cornel West. Ken Wilber sagt: „Die meisten Deutungen sind falsch, weil die Leute nicht erkennen, dass die Maschinen für den Geist, die Matrix für das Bewusstsein und Zion für den Körper stehen.“ Siehe The Ultimate Matrix Collection.

Auch der Song des Abspanns namens „Wake Up“ der Band Rage Against The Machine (RATM) ist eine Aufforderung an die Zuschauer, aufzuwachen und sich gegen die Maschinen zur Wehr zu setzen.

Auf der offiziellen Matrix-Filmseite wurde für die „philosophische Dimension“ des Films eine eigene Rubrik eingerichtet, in der auf Englisch relevante Texte veröffentlicht werden.

Als Neo in einem Raum auf das Orakel wartet, trifft er ein Kind das nur durch geistige Kraft einen Löffel verbiegt. Das Kind erklärt: "Wenn du es genau betrachtest wirst du sehen, dass es nicht der Löffel ist, der sich verbiegt, sondern du es bist. Die Antwort ist: Den Löffel gibt es nicht." Dies stellt ein Paradoxon dar.

 

 

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